Mal gewinnt man, mal verlieren die anderen

Vom 2. bis 8. August 2026 stellte sich die deutsche CIOR/CISOR-Wettkampfmannschaft in Bukarest der Konkurrenz im militärischen Fünfkampf – mit drei Teams, tropischen Temperaturen und am Ende einer beeindruckenden Medaillenbilanz, obwohl nach dem ersten Tag alles verloren schien.

Militärischer Fünfkampf im Rahmen des CIOR-Kongresses

Einmal im Jahr treffen sich Reserveoffiziere und -unteroffiziere aus aller Welt zum Sommerkongress der Interallied Confederation of Reserve Officers (CIOR) und ihrer Partnerorganisation CISOR. 2026 fiel die Wahl auf Bukarest in Rumänien. Im Rahmen des Kongresses wird traditionell der Military Competition (MilComp) ausgetragen – ein dreitägiger Wettkampf aus Schießen (Gewehr und Pistole), Handgranatenzielwerfen, Hindernisbahnlauf, Hindernisschwimmen sowie Orientierungslauf mit Entfernungsschätzen und Kartenlesen. Die deutsche Delegation reiste in diesem Jahr mit drei Teams an und sollte sich einer der herausforderndsten Rahmenbedingungen der letzten Jahre stellen: Temperaturen um 35 Grad prägten die Wettkampftage. Als Sieger der letzten Jahre gingen die deutschen Teams auch dieses Jahr als Favorit ins Rennen.

Die letzten Vorbereitungen

Der erste Tag in Bukarest gehörte der Gewöhnung. Auf den Hindernisbahnen zu Land und im Wasser konnten sich die Athleten mit den lokalen Wettkampfstätten vertraut machen, ergänzt durch Trainingseinheiten im Orientierungslauf, Entfernungsschätzen und Kartenlesen.

Der zweite Trainingstag stand ganz im Zeichen des Schießens, begann aber etwas holprig: der erste Schusses brach eine Stunde später als geplant und gleich im ersten Rennen verzögerte sich der Ablauf, weil bei vier Schützen auf der Scheibe keine Treffer zu verzeichnen waren und der Haltepunkt nicht ermittelt werden konnte. Team DEU1 mit SU Christian Lange, OSA Jonathan Häußer und H Daniel Hummel, eigentlich für eine kühlere Startzeit vorgesehen, schoss am Ende in der prallen Mittagshitze. Auch andere deutsche Teams traf es nicht besser. Team DEU3 mit OTL Matthias Blaschke, H Sven Wachow und SG Alexander Klass, welches am Ende des Feldes startete, hatte beim Schießen aufgrund der Verzögerungen mit schlechten Lichtverhältnissen in der hereinbrechenden Dämmerung zu kämpfen. So konnten auch an der Opening Ceremony des Kongresses nur einzelne Wettkämpfer des deutschen Teams teilnehmen, während der Rest noch beim Schießen war.

Schießen unter erschwerten Bedingungen

Am zweiten Schießtag war der Ablauf zunächst etwas besser. Das Gewehrschießen brachte für Team DEU1 dann aber enttäuschende Ergebnisse vor. Viele Schützen blieben deutlich hinter den üblichen Leistungen zurück. Die rumänischen Variante der AK-47 bot verschiedene Herausforderungen bei der Justierung und auch die Kommandos beim Schießen waren nicht einheitlich. Beim Pistolenschießen mit der Tokarew TT-33 lief es dafür besser. Auch hier hatten mehrere Schützen mit Störungen zu kämpfen, aber die Ergebnisse lagen näher an den Trainingsergebnissen.

Schießtrainer L Ralf Winter bespricht mit Team DEU2 das Trefferbild nach dem Ermitteln des Haltepunktes beim Pistolenschießen; Foto: Matthias Blaschke

Gleich mehrere Wettkämpfer gingen mit ihren schlechtesten Wettkampfergebnissen aus dem Schießen heraus und die Chancen auf einen Sieg in der Gesamtwertung standen schlecht. Als dann aber die finalen Schießergebnisse publiziert wurden, lagen doch zwei deutsche Team auf den ersten drei Plätzen. Scheinbar hatte auch die Konkurrenz mit den schlechten Waffen zu kämpfen und so reichten die deutschen Leistungen trotzdem für gute Platzierungen.

OL Thomas Kräuter beim Schießen mit der rumänischen Variante der AK-47; Foto: Jonathan Häußer

Der Orientierungslauf: Hitze und Erschöpfung

Wegen des Zeitplans der Kongressteilnehmer wurde die Reihenfolge der Disziplinen in diesem Jahr geändert: Der Orientierungslauf fand nun nicht am dritten, sondern schon am zweiten Wettkampftag statt. Nach rund zweistündiger Busfahrt ins Wettkampfgebiet ging es zunächst ans Entfernungsschätzen und dann in den Wald. Die steilen Anstiege beim ständigen Auf und Ab zehrte an den Kräften. Dazu kamen erneut die Temperaturen von um die 35°. Mit einer Zeit von 2:26 Stunden blieb Team DEU1 nur rund zwei Minuten hinter dem vermeintlich schnellsten Team aus Estland zurück. Normalerweise soll die Siegerzeit bei 90-100 Minuten liegen. Die Bahn war für diese Bedingungen also zu lang, was in den vergangenen Jahren häufiger der Fall war. Viele Teams schafften es nicht, innerhalb der vorgegebenen vier Stunden ins Ziel zu kommen. Nach dem Lauf folgte zumindest für Teile der Mannschaft eine spontane Erfrischung in einem flachen, lauwarmen Fluss in der Nähe, bevor die zweistündige Busfahrt nach Bukarest zurückführte.

Am Ende des langen Orientierungslaufs musste jeder Teilnehmer nochmal durch das Labyrinth. Hier war nochmal höchste Konzentration gefragt; Foto: Jonathan Häußer

Hindernisbahn und Schwimmen

Auch am dritten Wettkampftag wurde es heißt. Bereits die Nacht war spürbar wärmer als die vorangegangenen. Der Zeitplan verzögerte sich erneut um etwa eine Stunde. Auf der Landhindernisbahn lief es für die deutschen Teams weitgehend stark: die Zeit von 3:31 Minuten von Team DEU1 blieb bis zum Ende des Tages unangefochten die schnellste, Team DEU2 mit H Thomas Freudenmann, OL Olaf Grell und HF Paul Deiter folgte mit 3:46 Minuten auf einem guten zweiten Platz. Team DEU3 hatte weniger Glück: zwei Stürze vom Zickzackbalken kosteten Zeit.

Ein besonderes Zeichen der Wertschätzung war der Besuch der deutschen Botschafterin am Wettkampfort, die sowohl die Hindernisbahn als auch das Schwimmen verfolgte. Zwischendurch ergab sich auch die Gelegenheit für ein persönliches Gespräch mit dem Team.

Zwischen Ende der Hindernisbahn und Check In zum Schwimmen blieben nur 20 Minuten, was kaum Regeneration nach der Landhindernisbahn ermöglichte. In den vergangenen Jahren startete der Schwimmwettkampf erst, als alle Team mit der Landhindernisbahn fertig waren. So war es leider nicht immer möglich, dass alle deutschen Wettkämpfer auch ihre eigenen Teams anfeuern.

Team DEU2 mit H Thomas Freudenmann, hier auf dem Tisch beim Überwinden der Schwimmhindernisbahn; Foto: Matthias Blaschke

Beim Barbecue nach Ende des letzten Wettkampftages konnten die erbrachten Leistungen ausgiebig gefeiert und die Flüssigkeitsdefizite der vergangenen Tage wieder ausgeglichen werden.

Eine makellose Medaillenbilanz

Der letzte reguläre Tag begann mit dem obligatorischen LOAC-Test (Law of Armed Conflict). Am Nachmittag folgte die Siegerehrung, die für die deutsche Delegation zu einem vollen Erfolg wurde.

Am Nachmittag folgte die Siegerehrung, die für die deutsche Delegation zu einem vollen Erfolg wurde: Team DEU1 sicherte sich den Sieg in der Gesamtwertung sowie in der Veteran-Kategorie, dazu den ersten Platz beim Schießen und auf der Landhindernisbahn, den zweiten Platz am Orientierungslauftag und den dritten Platz beim Hindernisschwimmen. Team DEU2 belegte Platz vier in der Gesamtwertung und holte den zweiten Platz auf der Landhindernisbahn. Team DEU3 sicherte sich den dritten Platz beim Schießen. Auch in der International-Kategorie war Deutschland erfolgreich vertreten: Team INT3 mit Beteiligung von OL Thomas Kräuter gewann diese Wertung, Team INT4 mit OFA Tobias Keil wurde Zweiter. In der Einzelwertung der Schützen wurde H Sven Wachow bester Schütze des gesamten Wettkampfs, OL Thomas Kräuter belegte hier den dritten Platz.

Kein deutscher Teilnehmer ging ohne Medaille nach Hause – ein Ergebnis, das ohne die intensive Vorbereitung in Hammelburg nicht möglich gewesen wäre. Der Abend endete mit dem Galadinner, an dem dieses Jahr leider nicht alle Nationen teilnahmen, und einem anschließenden Ausflug in die Bukarester Nachtszene.

Fazit

Zwischen Herausforderungen bei den Waffen und drückender Hitze zeigte der Wettkampfkader in Bukarest, dass sportlicher Erfolg auch trotz widriger Bedingungen möglich ist. Die Bilanz von drei deutschen Teams mit vielen Medaillen verlängert die Erfolgsserie der letzten Jahre.